Die Wiesenburg Wedding – direkt an der Panke

Zwischen den S-Bahnhöfen Wedding und Humboldhain, abseits der gewohnten Pfade, entdeckte ich einer Einladung folgend, die Wiesenburg.

Das Künstlerhaus ist ein ehemaliges Obdachlosenasyl aus dem Jahr 1896, steht unter Denkmalschutz und liegt direkt an der Panke. Auf der gegenüber liegenden Pankeseite wurde ein Radweg angelegt, den ich demnächst mal ausprobieren werde.

Die Geschichte der Wiesenburg

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Berliner Asyl Verein gegründet. Prominente Mitbegründer waren der Arzt Rudolf Virchow und die Industriellen Borsig und Bolle. Der Verein sammelte Spenden, kaufte ein Grundstück und beauftragte die Architekten Töbelmann und Schmock mit dem Bau des größten und modernsten Obdachlosenasyls der Welt. Die Berliner fanden schnell einen passenden Spitznamen – die Wiesenburg.

Zunächst konnten hier bis zu 700 Männer viermal im Monat kostenlos essen, baden, übernachten und Ihre Kleider waschen. Im Gegensatz zu den städtischen Asylen menschenwürdig und anonym.  1907 wurde eine Erweiterung für 400 Frauen und Kindern gebaut.

Im 1. Weltkrieges zog das Militär ein und nach dem Krieg hatten viele Stifter kein Geld mehr. Die Stadt finanzierte den Asylbetrieb zunächst,  verpachtete aber das Gelände 1926 an die jüdische Gemeinde. Knapp 10 Jahre später wurde es von den Nazis enteignet. Sie ließen von Zwangsarbeitern Fahnen färben und Waffen bauen.

Am Ende des 2. Weltkrieges war die Wiesenburg großflächig zerstört. Wohnungslose Menschen zogen in das ehemalige Verwaltergebäude ein und übernahmen bis zum Jahr 2014 die Hausverwaltung. So wurde die Wiesenbug im Laufe der Zeit für Handwerker, Kleinbetriebe und Künstler geöffnet.

Weide an der Panke im Wedding in Berlin

Weide an der Panke

Graffiti auf einer Backsteinmauer der Wiesenburg im Wedding in Berlin
Graffiti auf einer Backsteinmauer der Wiesenburg
Mit Geranien bepflanzte Terrasse vor der Wiesenburg im Wedding in Berlin
Mit Geranien bepflanzte Terrasse vor der Wiesenburg
Die blaue Tür ins Nirgendwo?
Die blaue Tür ins Nirgendwo?
Vor der Wiesenburg
Vor der Wiesenburg
Sitzplatz vor der Wiesenburg
Sitzplatz vor der Wiesenburg

Das Haus gehört jetzt der DEGEWO, einer großen städtschen Wohnungsbausgesellschaft, die derzeit den Ausbau plant. Mal sehen, wann man hier die ersten schicken Lofts kaufen kann. 🙁

Ausführlichere Informationen über Vergangenheit und Zukunft der Wiesenburg könnt ihr in einem Artikel von Max Wolf nachlesen (Stand Februar 2016).

Der Verein benötigt Unterstützung und bittet um Spenden. Rettet die Wiesenburg vor der Zerstörung.

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