Anfang Juni besuchten wir das Bode-Museum am Kupfergraben in Berlin-Mitte. Das Gebäude wurde 1897 von Kaiser Wilhelm II beauftragt und innerhalb von sieben Jahren vom Architekten Ernst von Ihne und dem Bauleiter Max Hasak errichtet. Die Eröffnungsfeier des damaligen Kaiser-Friedrich-Museums fand im Oktober 1904 statt. Der DDR-Kulturminister Johannes R. Becher benannte es 1956 nach dem ersten Generaldirektor Wilhelm von Bode. Auf der Internetpräsenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz können einige Innenräume interaktiv am Bildschirm erkundet werden.
Bode-Museum in Berlin im Mai 2007, Foto von Cezary PiwowarskiDie Eröffnung des Kaiser Friedrich Museums in Berlin am 18. Oktober 1904
Die Renaissance war eine europäische Kulturepoche am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, deren Zentrum die florentinische Handelsmetropole Florenz war. Die Familie Medici übte dort erheblichen wirtschaftlichen und politischen Einfluss aus. Die Bankiersfamilie Pazzi wollte diesen brechen und Erzbischof Francesco Salviati die Besetzung des Rathaus ermöglichen. Am 26. April 1478 verübten Francesco de’ Pazzi und Bernardo Bandini Baroncelli in der Kathedrale von Florenz ein Attentat auf die Medici-Brüder. Während der 17-jährige Kardinal Riario morgens die Ostermesse zelebrierte, stachen die Attentäter zu. Dabei wurde der 29-jährige Lorenzo de’ Medici verletzt und sein jüngerer Bruder Giuliano getötet. Die Verschwörung scheiterte. Noch am selben Tag ließ die florentinische Justiz Francesco de’ Pazzi und den Erzbischof am Palazzo della Signoria hinrichten. Kardinal Raffaele wurde mehrere Wochen inhaftiert und die Familie Pazzi aus Florenz verbannt. Bernardo floh nach Konstantinopel, wurde jedoch anderthalb Jahre später ausgeliefert und ebenfalls gehängt.
Kardinal Raffaele Riario (Sansoni) – Terrakotta-Porträtbüste von Andrea Bregno, um 1478 im Raum 121Die Medici-Familie als Könige: Cosimo (kniend), Piero de‘ Medici und Giovanni (Rückenfiguren im Mittelpunkt) und Angehörige des Medici-Hofes um ca. 1474 – Bild von Sandro BotticelliPorträt von Giuliano de‘ Medici vom italienischen Maler Sandro BotticelliCosimo de Medici – Bronzemedaille (1465 bis 1469)Hinrichtung des Bernardo Bandini Baroncelli, Skizze von Leonardo da Vinci, Winter 1479 (im Musée Bonnat-Helleu in Bayonne)
Das Erdgeschoss des Bode-Museums
Im Erdgeschoss befinden sich die Museumkasse, die Garderobe und der Museumsshop. Mit gültigen Eintrittstickets gelangten wir in die große Kuppelhalle mit der hohen Freitreppe. Dort steht in der Mitte ein großes Reiterstandbild vom Großen Kurfürst und weitere gusseiserne Skulpturen. Die meisten stammen vom Hofarchitekten Andreas Schlüter, der im Sommer 1694 in den Dienst vom Schiefen Fritz trat.
Dachfenster der großen Kuppelhalle im Eingangsbereich des BodemuseumsDer Große Kurfürst in der großen Kuppelhalle – Reiterstandbild von Andreas SchlüterSkulpturenfuß vor dem Museumsshop – Gipsplastik von Mathilde ter Heijne, Projekt Talking Feet (2018)
Rundgang durch das erste Obergeschoss
Zunächst sind wir die Freitreppe zur Kameckehalle hinaufgegangen und haben dort die barocken Sandsteinskulpturen betrachtet. Anschließend führte unser Weg durch die Basilika in die angrenzenden Räume, in denen wir Kunstwerke und Skulpturen aus verschiedenen Epochen bewunderten. Bevor wir ins nächste Stockwerk stiegen, besuchten wir das Museum für Byzantinische Kunst im Nordflügel auf der Spreeseite, wo antike Objekte aus dem Byzantinischen und dem Römischen Reich ausgestellt sind.
Putto mit Schellentamburin – Sandstein-Statue von Andreas Schlüter in der Kameckehalle (1711/1712).Der Phlegmatiker – Sandstein-Statue von Gottfried Knöffler in der Kameckehalle (1763 bis 1870)Christus auf dem Palmesel – Holzfigur aus Franken um 1520 – 1530 im Raum 108Engel mit Psalter – Marmorskulptur von Jacopo di Piero Guidi aus dem Jahr 1382/83 im Raum 108Kanzelträger – Sandstein-Skulptur um 1490 im Raum 109Thronende Maria mit Kind – Nadelholz-Skulptur aus Nordfrankreich (um 1270) im Raum 111Trauernde Maria (Mater Dolorosa), Kalkstein-Skulptur aus Nordfrankreich um das Jahr 1500 im Raum 111Heiliger Bischof – Eichenholzbüste aus Brüssel um 1520 im Raum 112Schutzgöttin Tyche – ägyptisches Wandrelief aus dem 3. bis 4. Jahrhunderts nach Christus im Raum 114Ägyptisches Grabrelief mit dem Heiligen Symeon aus dem 3. bis 4. Jahrhunderts nach Christus im Raum 114Apsismosaik mit Erzengel Michael aus der Kirche San Michele in Africisco in Ravenna im Raum 115christlicher Heiliger – Büste aus vergoldetem Kupfer, Frankreich in der Zeit von 1400 bis 1450 im Raum 115spätantiker ägyptischer Textilfund der Ausstellung Think Big! von der New Yorker Künstlerin Gail Rothschild im Raum 115Willibald Imhoff der Ältere – Holzbüste von Johan Gregor van der Schardt um 1570 im Raum 124Anna Imhoff, Frau von Willibald, mit Gebetbuch – Büste des Bildhauers Johan G. van der Schardt um 1580 im Raum 124Louis Phélypeaux de La Vrillière – Terracotta-Skulptur von Domenico Guidi um 1686 im Raum 124Herkules – Terrakotta-Skupltur von Pierre Puget (um 1660) im Raum 124Gefesselter Korsar – Terracotta-Skupltur von Giovanni Baratta um 1710–1720 im Raum 124Tänzerin – Marmor-Skulptur von Antonio Canova (1809 – 1812) im Raum 134Heiliger Philipp Neri – Marmorbüste von Domenico Guidi (ca. 1690–1693) im Raum 134Kardinal Alessandro Damasceni Peretti di Montalto – barocke Marmorbüste vom Bildhauer Giuliano Finelli im Raum 134Graf Raimondo de Montecuccoli – Marmorbüste von Fabio dal Medico um 1750 –1775 im Raum 134Prinz Michele Damasceni-Peretti – barockes Marmor-Porträt vom italienischen Bildhauer Giuliano Finelli im Raum 134Diana als Jägerin – Marmorstatue von Bernardino Cametti (1717 – 1720) im Raum 134Laudivio Zacchia – Marmorbüste von Alessandro Algardi aus der Zeit um 1635-1640 Heiliger Hieronymus – Marmorrelief von einem unbekannten Künstler (um 1600)
Rundgang durch das zweite Obergeschoss
In den Ausstellungsräumen im zweiten Obergeschoss haben wir uns weitere europäische Gemälde und Skulpturen aus Spätgotik, Renaissance und Barock angesehen. Auf der Etage befinden sich auch das Museums-Café und das Münzkabinett.
Johannesschüssel: Haupt von Johannes dem Täufer auf einem Teller – Eichenholz-Skulptur aus den südlichen Niederlanden um 1430 im Raum 208Christuskind mit Apfel – spätgotische Lindenholzskulptur, Süddeutschland um 1490–1500 im Raum 213ruhender Knabe – Alabaster-Skulptur eventuell von Francois Duquesnoy aus dem Jahr 1690 im Raum 217Französischer Prinz, möglicherweise Heinrich III – Büste von Germain Pilon um 1500 im Raum 221Mars, Venus und Amor – Elfenbein-Holz-Skulptur von einen anonymen Künstler (Furienmeister) (um 1620) im Raum 223Drachenkampf – Elfenbein-Holz-Skulptur von einen anonymen Künstler (Furienmeister) (um 1620) im Raum 223Diana auf dem Hirsch – Trinkspielautomat vergoldetes Silber vom Regensburger Goldschmied Paulus Ättinger (um 1610) im Raum 222Kampf des Erzengels Michael gegen die gefallenen Engel – Altarschmuck aus Holz, vergoldetem Kupferblech und Elfenbein von einem neapolitanischen Künstler (ca. 1700–1730) im Raum 223Kopf eines Kindes – gotische Sand- oder Kalkstein-Skulptur aus Paris um 1250
Ein eindrucksvolles Gebäude mit vielen Heiligen, nicht nur für Münzliebhaber.
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